Mozart, W.A.: Titus
Vitellia
(Städtische
Bühnen Münster, Premiere am 11.2.2006, Musikalische
Leitung: Rainer Mühlbach, Regie: Wolfgang Quetes, Bühne:
Heinz Balthes, Kostüme: Ute Frühling)
WN,
21.2.2006
„Der
Applaus ist kaum zu bremsen: Titus B-Premiere mit hinreißender
Sabine Ritterbusch“
...Die
große Vitellia-Arie mit Bassetthorn-Solo im zweiten Akt wird
gleich zwei Mal mittendrin von Applaus unterbrochen. Weil es lange
Pausen gibt oder das Orchester eine demonstrative Schlusskadenz
spielt. Oder weil Sabine Ritterbusch einfach so hinreißend
schön singt, dass ihr Publikum sich nicht beherrschen kann –
das ist sicher der bester Grund. Sabine Ritterbusch ist die
Zweitbesetzung für Vitellia. Am Sonntagabend sang sie zum ersten
Mal diese respektable Hauptrolle und gab der dritten Aufführung
von Mozarts „La Clemenza die Tito“ damit strahlenden
B-Premierenglanz.
Sabine
Ritterbusch hat die Rolle darstellerisch hervorragend im Griff. Mehr
noch als die majestätische Stefanie Smits gibt sie die Vitellia
als impulsive Diva, die sich schluchzend im Bett wälzt, nervös
mit dem Lippenstift hantiert, ihrem Lover Sextus eiskalt die Pistole
in die Hand drückt – und der zum Schluss alles furchtbar leid
tut.
Stimmlich
ist sie, die Desdemona und Rusalka, so sehr über alle Zweifel
erhaben, dass man ihr die leichten Schwierigkeiten mit den
Spitzentönen ebenso verzeiht wie den veritablen Ausrutscher im
Terzett des ersten Aktes. Denn dafür geht sie aufs Ganze und
bietet mit intensiv leuchtendem Sopran und stürmischer
Leidenschaft ihrem errötenden Sextus Paroli. In ihrer
Schlussarie findet sie ergreifende Töne, schon weil ihr das
Bassetthorn von Martin Stützle so sicher zur Seite steht. Dumm,
dass gerade dieses Stück nahtlos ins Finale übergeht und
keine Gelegenheit zum Applaudieren bietet. (...)
Lukas Speckmann